Am Sonntag, den 9. Juni 2024 findet die Europawahl statt. Dieses Jahr dürfen erstmals auch Jugendliche ab 16 Jahren wählen. Hier erfährst du alles, was du wissen solltest, bevor du zur Wahl gehst.
Warum ist es so wichtig, meine Stimme abzugeben?
Jede Stimme zählt! Die Verhältnisse im Parlament verändern sich, je nachdem wieviele Menschen wählen gehen.
Nehmen wir als Beispiel 100 wahlberechtigte Menschen aus deiner Nachbarschaft:
Wenn 10 davon einer rechtsextremen Partei ihre Stimme geben und alle wählen gehen, erhält diese Partei 10% der Sitze im Parlament.
Wenn von den 100 Menschen jetzt nur 60 wählen gehen und wieder 10 von ihnen die rechtsextreme Partei wählen, erhält diese Partei schon 17% der Sitze im Parlament.

Alte Menschen gehen wählen und geben ihre Stimme meist (wie sie es schon immer machten) einer konservativen Partei.
Minderheiten wie Jugendliche, Menschen mit Migrationshintergrund und sozial benachteiligte Menschen, glauben sie könnten mit ihrer Stimme nichts bewirken und gehen nicht wählen. Doch wie das Beispiel zeigt, macht gerade das den Unterschied: Je mehr Menschen wählen gehen, umso geringer ist die Chance, dass extreme Parteien eine kritische Mehrheit erhalten.
Hohes Durchschnittsalter bei Wahlen
Bei der letzten Bundestagswahl waren über 58% der Wähler älter als 50 Jahre alt. Umfragen ergeben, dass sich die politische Einstellung zwischen jüngeren und älteren Generationen meist stark unterscheidet. Ältere Menschen wollen meist die bisherige Politik bewahren, dass alles beim Alten bleibt. Jüngere Menschen achten hingegen mehr auf Veränderung für eine bessere Zukunft. Deshalb glauben wir, je mehr jüngere Menschen wählen gehen, umso eher stehen die Chancen, dass umweltfreundlichere und sozial gerechtere Parteien eine Mehrheit bekommen.

Internationale Beispiele für dieses Phänomen: Ginge es ausschließlich nach der 18-24-jährigen Wählerschaft, wäre Großbritannien nie aus der EU ausgetreten (Brexit) und Donald Trump wäre nicht Präsident der USA geworden.
Wie genau kann ich wählen?
Wahlberechtigte in Deutschland müssen, abhängig von ihrer Heimatadresse, in einem bestimmten Wahlraum wählen. Welcher Wahlraum das ist, steht in der Wahlbenachrichtigung. Die kommt im Mai per Post zu dir nach Hause.
Wer an diesem Tag keine Zeit hat oder sich den Gang ins Wahllokal sparen möchte, kann seine Stimme per Briefwahl abgeben. Dafür kann man sich den Wahlschein vorab von seiner Stadtverwaltung zusenden lassen. Bei vielen Gemeinden kann man die Unterlagen online anfordern. Alternativ kann man den Vordruck auf der Wahlbenachrichtigung verwenden.
Allgemeine Informationen zum europäischen Parlament und die Beantwortung wichtiger Fragen zum Wahlvorgang erhältst du auf der offiziellen Website zur Europawahl.
Du hast keine Ahnung, welche Partei deine Überzeugungen vertritt? Eine gute Orientierung bietet das Online-Tool „Wahl-O-Mat„. Hier haben alle 35 Parteien, die zur Wahl antreten, Fragen beantwortet. Indem du die gleichen Fragen beantwortest, kannst du deine Standpunkte mit den Antworten der Parteien vergleichen.
Briefwahl
Du weißt nicht, ob du am 9. Juni Zeit hast? Kein Probem, mit Briefwahl kannst du deinen Wahlschein in Ruhe vorab zuhause ausfüllen und per Post absenden. Über die folgenden Links kannst du den Wahlschein online bei deiner Stadtverwaltung anfordern:
Wahlhelfer
Du willst dich noch aktiver einbringen und hinter die Kulissen schauen? Als Wahlhelfer unterstützt du die Demokratie unmittelbar in deinem Wahllokal. Du achtest darauf, dass die Wahl ordungsgemäß abläuft und hilfst dabei, die Stimmen vor Ort auszuzählen. Übrigens: Eine Aufwandsentschädigung gibt’s auch. Bei Interesse findest du Ansprechpersonen auf der Website deiner Stadt.
Europa-Parlament – Blicke hinter die Kulissen
Filmtipp: Democracy
Wie sieht eigentlich das Arbeitsalltag der Politiker in Brüssel aus? Einen seltenen Einblick in das Leben eines Europa-Abgeordneten bietet der Dokumentarfilm „Democracy“. Der Grünen-Politiker Jan Philipp Albrecht lässt sich für einen längeren Zeitraum von der Kamera begleiten, als er und seine Mitarbeitenden hauptverantwortlich die Datenschutzgrundverordnung konzipieren, Richtlinien entwickeln und in mühevollen demokratischen Prozessen jedes Detail aushandeln. Zuschauer können dabei nah miterleben, wie Gesetze entstehen.
Buchtipp: Herr Sonneborn geht nach Brüssel
Einen Einblick mit satirischem Humor bietet der Kabarettist Martin Sonneborn. Für die Spaßpartei „Die PARTEI“ sitzt er im EU-Parlament. Seine Beobachtungen schildert er in diesem Buch. Inzwischen ist auch die Fortsetzung „Herr Sonneborn bleibt in Brüssel“ erschienen. Seinen Parteikollegen Nico Semsrott haben die Verhältnisse im EU-Parlament hingegen in eine Depression gestürzt. Er verarbeitete seine Erlebnisse im satirischen Buch „Brüssel sehen und sterben„.
Ergänzende Informationen
- Offizielle Website zur Europawahl
- Wahl-O-Mat
- Wahlalter ab Sechzehn – pro und contra | MDR
- Wahlrecht ab 16 | Deutschlandfunk
- Film „Democracy – im Rausch der Daten“ | BpB Mediathek
- Nico Semsrott: „Brüssel sehen und sterben – Die Show | YouTube
- Buch „Brüssel sehen und sterben“
- Buch „Herr Sonneborn geht nach Brüssel“
- Buch „Herr Sonneborn bleibt in Brüssel“
- Blog-Serie „Bericht aus Brüssel“ | TITANIC
- Vlog-Serie „Berichte aus Brüssel“ | YouTube



















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