Wachsende Gewalt gegen Journalisten

Wachsende Gewalt gegen Journalisten

Der 2. November 2013: Zwei französische Journalisten wurden in Mali erst entführt, dann erschossen. Doch das ist nicht der erste Vorfall, bei dem Reporter emordet wurden. Zwischen 2006 und 2017 haben Reporter ohne Grenzen über 1.000 Tötungen an Journalist:innen dokumentiert. Neun von zehn Fällen bleiben dabei unaufgeklärt.

Zu Ehren der verstorbenen Franzosen in Mali haben die Vereinten Nationen den 2. November zum Internationalen Tag gegen Straflosigkeit für Verbrechen an Journalisten erklärt. Dieser Gedenktag soll auf erhebliche Defizite in der Rechtsprechung vieler Länder hinweisen. Journalist:innen leisten einen essenziellen Beitrag zur demokratischen Gesellschaft, deren Funktion jedoch durch Einschüchterung und Angst nachhaltig beeinträchtigt werden kann.

Gedenktag am 2. November bleibt relevant

Die Ermordung von Journalist:innen zählt als stärkste Form der Pressezensur und ist in vielen Ländern, besonders im südamerikanischen und asiatischen Raum nach wie vor Realität. Laut den Aufzeichnungen von UNESCO wurden in 2023 und 2024 insgesamt 162 Journalist:innen während ihrer Arbeit getötet. Im aktellen Jahr 2025 wurden auf dem Barometer von Reporter ohne Grenzen festgehalten, dass bereits 55 Reporter aufgrund ihrer Berufung ums Leben gekommen sind.

Laut der UNESCO Director-General’s Report on the Safety of Journalists and the Danger of Impunity seien Lateinamerika und die Karibik für Menschen in einem medienschaffenden Beruf am riskantesten. Bereits neun Journalist:innen wurden dieses Jahr alleine in Mexiko während ihrer Arbeit ermordet. Erst Ende Oktober hat sich wieder ein Fall ereignet: Der 60-jährige Lokalreporter Miguel Ángel Beltrán Martínez wurde am 25. Oktober tot, in einer Decke eingewickelt, neben einer Autobahn aufgefunden. Ein paar Tage zuvor hatte er noch auf Social Media über die Drogenkartelle in Mexiko berichtet. Gegen Verbrechen jeglicher Art wird in dem südamerikanischem Land kaum vorgegangen, weshalb viele ungestraft bleiben. Außerdem gilt Mexiko als das gefährlichste Land für Reporter:innen und belegt auf der Rangliste von Reporter ohne Grenzen Platz 124 von 180. Auf dem ersten Platz liegt Norwegen und den letzten Platz belegt Eritrea, mit einem strengen Verbot freier Medien. Deutschland ist dabei um einem Platz nach hinten gerutscht und belegt nun Rang 11.

Gewalt gegen Medienschaffende nimmt weltweit zu

Aber auch die allgemeine Gewaltbereitschaft gegenüber Medienschaffenden hat zugenommen. Die Einschüchterung beginnt schon bei Beleidigungen und reicht über Anspucken bis hin zu aggressivem Schlagen und Treten – und endet in manchen Fällen in Folter und Entführung. 2025 wurden bis jetzt fast 200 Journalist:innen inhaftiert. Diese Inhaftierungen finden in Ländern statt, in denen die Pressefreiheit eingeschränkt ist, wie unter anderem Russland oder die Türkei. Auch wenn in Deutschland keine Verhaftungen oder Entführungen stattfinden, sind die Reporter:innen anderen Gewalttaten ausgesetzt – besonders auf Demonstrationen. 2024 hat sich die Zahl der Angriffe auf Reporter:innen im Vergleich zu 2023 mehr als verdoppelt. Im letzten Jahr gab es 89 dokumentierte Fälle, in denen Medienschaffende attackiert wurden. 2023 waren es noch 41 Angriffe. Von den rund 90 Fällen waren 75 körperliche Angriffe, wie Schubsen, Treten oder Bewerfen. Mittlerweile gelten viele Menschen, die im Berufsfeld Journalimus tätig sind, für einige Bürger:innen als Feind. Grund dafür ist unter anderem, dass in sozialen und sogenannten „alternativen“ Medien gegen sie Stimmung gemacht und damit Pressefeindlichkeit gefördert wird.

Frauen sind von den Risiken der wachsenden Abneigung gegen die Presse besonders betroffen. In einer Umfrage von UNESCO gaben 73% der befragten Frauen an, dass sie schon mal bedroht, beleidigt oder belästigt wurden. Auch künstliche Intelligenz gilt in diesem Zusammenhang nicht nur als Hilfstool im Journalismus, sondern auch als Gefahr. Denn besonders Reporterinnen leiden vermehrt unter KI-gesteuerten Drohungen, der Verbreitung von geschlechtsspezifischer Desinformationen und Überwachung.

Schutz der Pressefreiheit ist Grundlage für Demokratie

Die Pressefreiheit ist ein grundlegender Baustein für die Menschenrechte und die Demokratie. Nur durch sie erhalten wir uneingeschränkten Zugang zu Medien und Informationen. Journalist:innen brauchen die Sicherheit, um ohne Angst dieser Berufung nachzugehen. Daher fordert die UN mit dem Internationalen Tag zur Beendigung der Straflosigkeit für Verbrechen an Journalisten alle Mitgliedsstaaten dazu auf, dass Maßnahmen zum Schutz der Reporter:innen getroffen werden.

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Elisa
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